Dokumentation zur Fachtagung vom 2. März 2016: Zugang zum Gesundheitssystem für alle?

Versorgungsverbund Berlin: medizinische Versorgung geistig und mehrfach behinderter Menschen gestalten

Moderation: Ellis Huber, stellvertretender Vorsitzender des Paritätischen Landesverbandes Berlin e.V.

Menschen mit Behinderungen haben nicht den gleichen Zugang zu Gesundheitsdiensten wie Menschen ohne Behinderung. Gerade Menschen mit komplexen Behinderungen konnten unter den bisher bestehenden Rahmenbedingungen nicht bedarfsgerecht Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch nehmen. Der Gesetzgeber hat mit der Einführung des § 119c SGB V 2015 die Möglichkeit geschaffen, die Versorgungslücke zu schließen.

Die Referentinnen und Referenten sowie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bildeten das breite Spektrum der beteiligten Akteure und Interessengruppen ab. Für die Bestandsaufnahme der Situation erwachsener Menschen mit komplexen Behinderungen waren als Expertinnen Menschen mit Behinderungen und Vertreterinnen aus den Verbänden komplex behinderter Menschen und ihrer Angehörigen eingeladen. Flankiert von fachpolitischen Stellungnahmen, Berichten aus der ärztlichen und zahnärztlichen Praxis sowie einem Fachvortrag zur statistisch fundierten Analyse der Zugänglichkeit Arztpraxen in Berlin ergab sich ein klares Bild der Schwächen in der ambulanten ärztlichen Regelversorgung.

Der Regelung des § 119c SGB V ging ein langwieriger Gesetzgebungsprozess voraus. Die für die Umsetzung notwendigen Strukturen sind auf Seiten der Gesundheitsplanung und der ärztlichen Selbstverwaltung noch nicht eingerichtet. Die zahnärztliche Selbstverwaltung hat bereits vor einigen Jahren eine spezialisierte zahnärztliche Versorgung für Menschen mit komplexen Behinderungen gemeinsam mit den Kassen initiiert und wird diese unter Maßgabe des § 22a SGB V weiter entwickeln. Als Probleme benannt wurden beispielhaft Schwierigkeiten in der Diagnostik und Therapie wegen des Mangels an Ärzten und Ärztinnen, die in der Behandlung geistig und mehrfach behinderter Menschen erfahren und deren Praxen dafür ausgestattet sind. Auch die Defizite in der gynäkologischen Versorgung behinderter Frauen sowie bezüglich Sexualberatung und Familienplanung kamen zur Sprache.

Die Anforderungen wird der Versorgungsverbund aufnehmen und die Anbieter mit langjähriger Expertise in der spezialisierten ambulanten Versorgung in das Modell integrieren.
Nun müssen  mit Vertreterinnen und Vertretern aus Gesundheitspolitik und Verwaltung die Perspektiven und Anforderungen für die praktische Umsetzung eines Versorgungsverbunds formuliert und vereinbart werden. Für die Gestaltung einer inklusiven Praxis im Land Berlin soll eine sozialräumlich orientierte, barrierefreie Gesundheitsversorgung geschaffen werden.

Das Programm der Tagung finden Sie hier.


Vorträge und weiterführende Links

Aus der Praxis ärztlicher Versorgung
Aus der zahnärztlichen Praxis. Matthias Viehoff, Facharzt für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Leiter des Zentrums für die zahnärztliche und kieferchirurgische Behandlung von Menschen mit Behinderung im Vivantes Klinikum Neukölln

Im folgenden drei Beiträge zu zahnärztlicher Behandlung von Menschen mit Behinderung

Berliner Zeitung

Vivantes-Internetauftritt

zm-online.de

Diagnostische und therapeutische Anforderungen an die medizinische Versorgung von Menschen mit geistiger Behinderung aus Krankenhaussicht. Dr. med. Samuel Elstner, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, KEH Berlin

Ärztliche Erfordernisse in einer Wohnstätte für Menschen mit Intelligenzminderung und zusätzlicher psychiatrischer Erkrankung. Erik Boehlke, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Geschäftsführender Vorstandsvorsitzender  GIB e.V., Berlin

Hier finden Sie den Vortrag von Erik Boehlke GIB e.V.

Der überarbeitete Beitrag erscheint in der Fachzeitschrift Teilhabe der Lebenshilfe, 2/2016
Zugangsbarrieren in der Versorgung
Statistik zur barrierefreien Zugänglichkeit der von Mobidat aufgenommenen Arztpraxen in Berlin am Bsp. des Rollstuhlfahrers. Dipl.-Ing. Karlo Bozinovski, Sachverständiger im Sachgebiet barrierefreie Planungen und Bauten, DIN-Geprüfter Fachplaner für barrierefreies Bauen, Albatros gGmbH, Berlin

Den Vortrag von Karlo Bozinovski zur Datenbank Mobidat finden Sie hier sowie die Ärztestatistik Mobidat.

Krankenkassen
Möglichkeiten zur Optimierung der bedarfsgerechten Versorgung. Kai Burmeister, Geschäftsbereichsleiter Versorgungsstrukturen und Zielgruppen im Unternehmensbereich Versorgung – Strategie, Programme und Verträge, AOK Nordost

Den Vortrag von Kai Burmeister finden Sie hier.

Versorgungsverbund für Erwachsene mit geistiger Behinderung und schweren Mehrfachbehinderungen in Berlin
Gutachten zum Versorgungsverbund für Erwachsene mit geistiger Behinderung und schweren Mehrfachbehinderungen in Berlin
. Evelyne Hohmann, Gutachterin, Koordinatorin der AG MZEB im Paritätischen Landesverband Berlin e.V.

Positionspapier zum Versorgungsverbund für Erwachsene mit geistiger Behinderung und schweren Mehrfachbehinderungen in Berlin. Dipl.-Psychologe Reinald Purmann, Berater, Paritätischer Landesverband Berlin e.V.

RS

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